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Skispringer Philipp Raimund fliegt zu Gold

Erstellt von: Friederike Weiler

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„Olympia hat eine eigene Dynamik. Bei zwei super Sprüngen kann das Ergebnis ganz cool sein. Ich glaube, da könnte etwas möglich sein“, sagte Philipp Raimund noch am 1. Februar während der Pressekonferenz beim Skisprung-Weltcup in Willingen, als er sich den dritten Platz schnappte. Doch dass dieses „Etwas“ nur knapp eine Woche später in Gold enden würde, ahnte wohl keiner. Noch nie hat der 25-jährige Raimund im Weltcup gewonnen – und nun war der erste Sieg gleich der größtmögliche: Olympia-Gold!

 

Mit einer gewaltigen Nervenstärke und sauberen Flügen auf 102 sowie 106,5 Meter setzte er sich Montagabend auf der Normalschanze vor dem Polen Kacper Tomasiak sowie den beiden drittplatzierten Ren Nikaido (Japan) und Gregor Deschwanden (Schweiz) durch, die mächtig vorgelegt hatten. Die Favoriten, wie beispielsweise der Slowene Domen Prevc auf Rang sechs, lagen deutlich zurück. 

 

Vor knapp 5000 Zuschauern in der Olympia-Arena lag Raimund bereits nach dem ersten Durchgang in Führung, einen halben Meter vor dem französischen Überraschungszweiten Valentin Foubert – und nach seinem zweiten Sprung war der Jubel groß. Was danach folgte, war pure Emotion: „Ich bin Olympiasieger, das ist einfach wunderschön", sagte er anfangs noch recht ungläubig. Seine Teamkollegen, allen voran Andreas Wellinger, der vor acht Jahren ebenfalls bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang Gold geholt hatte, sprangen ausgelassen im Auslauf herum und nahmen „Hille“ auf die Schultern. Auch Raimunds Familie – seine Mutter Kathrin und die Geschwister – waren mit vor Ort und konnten den Ausgang des Springens kaum fassen, nur Vater Christian, Skisprung-Trainer, war in Seefeld, um die Schweizer Skisprung-Damen auf den Mixed-Wettbewerb vorzubereiten. 

 

Raimund ist nun der fünfte deutsche Skisprung-Olympiasieger im Männer-Einzel nach den DDR-Springern Helmut Recknagel (1960), Hans-Georg Aschenbach (1976) und Jens Weißflog (1984/1994) sowie Wellinger (2018). 

Die Siegerehrung genoss der Springer vom SC Oberstdorf in vollen Zügen. „Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Aber ich bin unglaublich stolz darauf", sagte er zuvor noch im Interview. 

Trainer Stefan Horngacher fand kaum Worte, so sehr überrollte ihn der Moment. „Der Hille war so fokussiert wie noch nie, es war ein unglaublicher Abend“, sagte der sonst so coole Chefcoach – und kündigte lächelnd an: „A Bierle werden wir schon trinken.“

Dass Felix Hoffmann auf Rang 13 flog, Wellinger 17. wurde und Pius Paschke auf Rang 23 landete, war an diesem Abend locker zu verkraften.

 

Keine 24 Stunden nach seinem Sensations-Gold ist Philipp Raimund übrigens erneut gefordert: Das deutsche Team, für das neben Raimund auch Felix Hoffmann, Selina Freitag und Agnes Reisch antreten, will am Dienstagabend die nächste Medaille verbuchen. Der Wettkampf im italienischen Predazzo ist der letzte auf der Normalschanze, auf der Großschanze geht es dann am 14. Februar weiter. Fotos: Kevin Voigt

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