Premiere für Stephan Leyhe als „Free Willi“
Erstellt von: Dieter Schütz / Weltcup-Pressechef
Stephan, du hast ein Architektur-Studium in Kassel begonnen. Wie geht’s dir denn so? Lernst du gerade fleißig?
Stephan Leyhe: „Ja, das tue ich. Ich bin in Kassel mit dem Studium der Architektur ziemlich eingespannt. Ich bin jeden Tag an der Uni. Es ist meine neue Aufgabe. Es macht mir sehr viel Spaß. Es ist genau das, was ich mir vorgestellt habe. Ich gehe da recht gut auf in den Projekten, die wir so haben. Es macht mir einfach Freude. Es ist zwar ein bisschen stressig, aber ich habe jetzt ein neues Ziel in meinem Leben, das ich jetzt akribisch verfolgen kann.
Die neue Weltcup-Saison der Skispringerinnen und Skispringer hat im November begonnen. Schaust du dir alles live im Fernsehen an? Was sind das für Gefühle, wenn du zuschaust? Wie denkst du darüber, dass du in der letzten Saison noch live und hautnah das Ganze erlebt hast und jetzt doch den gewissen Abstand besitzt?
Stephan Leyhe: „Ich habe diesen Winter bis jetzt eigentlich so gut wie jeden Durchgang gesehen. Ich schaue es relativ relaxed von der Couch an. Klar sind immer auch von Ort zu Ort viele Erinnerungen dabei, aber ich bin ehrlicherweise froh, wenn ich nicht da oben in der Kälte stehen muss und mir der Wind um die Nase weht. Das habe ich sehr oft erlebt. Meistens versuche ich es irgendwie zu kombinieren, dass ich Skispringen schaue und nebenbei ein paar Zeichnungen mache oder ähnliches. Meine Vergangenheit mit meiner Zukunft zu kombinieren, das ist eigentlich ganz schön im Moment. Ich kann dort sehr entspannt zuschauen. Ich vermisse den Sport, aber ich habe auch mit dem Kapitel gut abgeschlossen.“
Hast du aktuell noch Kontakt zu den alten Kollegen, wie zum Beispiel deinem langjährigen Doppelzimmer-Spezi Andreas Wellinger? Oder auch zu den anderen aus der Nationalmannschaft, mit denen du lange unterwegs warst?
Stephan Leyhe: „Kontakt habe ich in der Tat am meisten zum Andi. Immer mal den regelmäßigen Austausch über WhatsApp, aber dann eigentlich wenig über den Sport, sondern mehr Privates, was gerade so bei ihm ist, was bei mir ist. Zu den anderen Kollegen etwas weniger, aber immer wieder mal, wenn es passt, z.B. eine Anekdote von früher, die mir gerade einfällt, das schreibe ich dann spontan.“
Vierschanzen-Tournee, Skiflug-WM, Weltcup in Willingen und die Olympischen Winterspiele 2026, ein Highlight jagt das nächste. Nach dem durchwachsenen Start für das DSV-Team mit den zwei erfolgreichen Springern Philipp Raimund und Felix Hoffmann und den nicht so erfolgreichen Arrivierten wie Andreas Wellinger und Karl Geiger fällt eine Prognose schwer. Was traust du den deutschen Athleten im Olympia-Winter zu?
Stephan Leyhe: „Der Saisonstart war natürlich überraschend, positiv und negativ. Klar, mit Philipp Raimund und Felix Hoffmann zwei neuere Sportler, die vorne mitspringen, sogar mit tollen Podestplätzen. Bei Phillip konnte man das in den letzten Jahren schon ganz gut erahnen anhand seiner Entwicklung, dass das konstante Weltklasseniveau irgendwann passieren wird. Felix hat mich bislang sehr positiv überrascht, das freut mich. Mit Andi und Karl ist es leider andersherum überraschend, dass sie sich schwerer tun als zuvor. Es gibt für die neue Saison Regelumstellungen, damit kommen einige besser klar, andere eben weniger. Da dauert es dann länger, dies zu adaptieren. Aber ich glaube, wenn man wie ich unsere zwei Top-Springer schon länger verfolgt und kennt, weiß man, dass gerade bei Großereignissen die Routine ein großer Vorteil ist. Da kennen sich Andi und Karl aus, die wissen wie es abläuft. Und ich wette, sie werden alles darauf ausrichten, dass es eben bei den Großereignissen wieder zu 100 Prozent funktioniert und sie erfolgreich sind. Ich glaube fest daran und drücke die Daumen.“