Ein Heiratsantrag, Preisgelder und Anna Häfele oder Anna Hafele?
Erstellt von: Presseteam
Anna Häfele nicht gleich Anna Hafele
Nanu, wer war denn da akkreditiert? Statt der ehemaligen Willinger Skispringerin Anna Häfele war plötzlich, nun ja, Anna Hafele akkreditiert. Kein Tippfehler – denn tatsächlich handelte es sich um die österreichische Ehefrau des FIS-Materialkontrolleurs Mathias Hafele, die eben fast denselben Namen trägt wie die einstige Willinger Skisprungpionierin. Häfele und ihre frühere Wegbegleiterin Jenna Mohr saßen damals auf dem Balken, als der Internationale Ski-Verband FIS in den frühen 2000er Jahren die Normalschanzen für Frauen öffnete. Beide sprangen auch beim ersten WM-Entscheid 2009 in Liberec und zählten 2011/12 bei der Weltcup-Premiere zu den Debütantinnen. Für ganz oben hat‘s bei beiden leider nicht gereicht, die nächsten Stationen erreichte das Frauen-Skispringen dann ohne sie.
Heiratsantrag im Schanzenauslauf
Was für ein besonderer Moment: Der slowenische Vorspringer Urban Sušnik hat seiner Freundin am Samstag an der Mühlenkopfschanze einen Heiratsantrag gemacht. „Ich hatte schon ein bisschen was geahnt. Und er war auch vorher ganz klassisch bei meinen Eltern und hat um meine Hand angehalten“, sagte Martina Sauerstein, die aus Bayreuth kommt und sich riesig freute. Sowohl ihre Familie als auch Sušniks Eltern waren extra ins Upland gereist, um beim Antrag dabei zu sein. Beim Anstecken des Rings zitterten bei beiden die Finger. Seit sechs Jahren kennt sich das Paar, der Funke ist aber erst beim Springen in Willingen vor drei Jahren übergesprungen. Dorthin kommt Sauerstein bereits seit neun Jahren und macht Fotos für die Vorspringer-Gruppe, die „heimlichen Helden“. Mit denen wurde der Antrag auch entsprechend im Hotel gefeiert. Zumal Michael Schmidt, Chef der Vorspringer, nach dieser Saison aufhört. Mit seinen „heimlichen Helden“ ist er seit der Weltcup-Premiere 1995 in Willingen am Start gewesen.
Norweger Forfang trauert um seinen Vater
Auch traurige Geschichten schreibt der Weltcup: Der Papa von Norwegens Johann André Forfang ist am Samstagabend nach seinem Kampf gegen den Krebs gestorben. Vor zwei Jahren war Hugo Forfang noch in Willingen dabei, als sein Sohn den Schanzenrekord von 155,5 Metern aufstellte. „Papa ist nach einem mutigen Kampf gegen den Krebs friedlich eingeschlafen. Worte können die Leere, die er hinterlässt, nicht beschreiben. Papa war mein Held“, schrieb Forfang in einem bewegenden Instagram-Posting mit Bildern und Videos, die ihn gemeinsam mit seinem Vater zeigen. „Danke für alles, mein lieber Papa. Ruhe in Frieden.“ Der letzte Wunsch seines Vaters sei es gewesen, dass er Skispringen betreibe und zu den Olympischen Spielen fahre. „Das werde ich auch tun“, versprach der 30-jährige Norweger, der im Einzelspringen am Sonntag nur auf Rang 38 kam.
Großer Pott mit klaren Spitzenverdienern: So wurde das Preisgeld in Willingen verteilt
Willingen zeigte sich 2026 nicht nur sportlich, sondern auch finanziell von seiner besten Seite. Über alle Wettbewerbe hinweg – zwei Einzel der Männer samt Qualifikation, zwei der Frauen sowie das Mixed-Team-Event – wurden insgesamt rund 350.000 Euro ausgeschüttet. Im Mittelpunkt standen die Einzelwettbewerbe, bei denen sich ein erheblicher Teil des Preisgeldes auf das Podium konzentrierte. Bei den Männern gingen allein an die drei Bestplatzierten knapp 38.000 Euro, bei den Frauen waren es rund 13.000 Euro. Damit floss jeweils etwa ein Drittel der gesamten Tagesbörse an die Sieger. Gleichzeitig lohnte sich ein Start in Willingen aber auch jenseits der Podestplätze. Die Preisgelder nahmen mit den Rängen zwar deutlich ab, reichten bei den Männern jedoch bis Platz 30 (ca. 500 Euro), bei den Frauen bis Platz 25 (ca. 300 Euro). Der Mixed-Team-Wettbewerb steuerte zusätzlich ein Gesamtpreisgeld von rund 90.000 Euro bei. Der Sieg brachte dabei pro Athletin und Athlet knapp 8.000 Euro, auch die weiteren Podestplätze waren hoch dotiert und machten auch den Teamwettbewerb sportlich wie finanziell attraktiv.
Buntes Rahmenprogramm an der Mühlenkopfschanze
Auch in diesem Jahr hat der Ski-Club Willingen neben dem Skisprung-Spektakel noch weitere Highlights rund um die Schanze angeboten. So konnten die Zuschauer bei einem virtuellen Sprung mit einer VR-Brille die Sportart Skispringen hautnah erleben und die Willinger Schanze aus Sicht eines Springers herunterfliegen. Das VR-Erlebnis konnte kostenlos genutzt werden. Und wem das nicht reichte, der konnte in der Nähe des Festzeltes selbst aktiv werden, sich auf die Mini-Schanze wagen und seine Sprungkünste unter Beweis stellen.
Mehr Zuschauer als bei Olympia
Eine Generalprobe für die Olympischen Spiele war der Willinger Skisprung-Weltcup am vergangenen Wochenende sicherlich nicht. Denn die beiden Schanzen in Predazzo, auf denen die Medaillen vergeben werden, sehen gegenüber der größten Großschanze der Welt nahezu mickrig aus. Dennoch dürfen die Skispringerinnen und Skispringer aus deutschen Landen wieder mit breiter Brust auf die Rückenwind-Anlagen nach Italien fahren, weil Willingen ihnen kräftig Aufwind verpasst hat. „Wir sind wieder wer“, meinte Philipp Raimund nicht ohne Grund. Auf jeden Fall aber war die Zuschauer-Resonanz an der traditionsreichen Mühlenkopfschanze mit über 42.000 Fans an drei Tagen mehr als olympisch. In Predazzo sind nur jeweils 5.000 Besucher pro Tag im Schanzenrund zugelassen. Die wurden selbst beim Willinger Mixed-Wettbewerb am Freitag schon übertroffen. Am Bildschirm mussten die Fans wegen der bevorstehenden Endspiel-Übertragung des Handball-Knüllers Deutschland gegen Dänemark auf Eurosport oder den ZDF-Livestream abwandern, um das packende Finale der Weitenjagd mit dem Sieg von Domen Prevc mitzuerleben. Rund drei Millionen ZV-Zuschauer waren in Willingen am Sonntag dabei. Auch das ist eine Topquote für das Skispringen an einem Tag ohne Biathlon als Zuschauermagnet.
Horngacher als Sportdirektor?
Stefan Horngacher, der als aktiver Skispringer selbst in Willingen auf dem Stockerl stand, später mit Polen und dem Deutschen Ski-Verband (u.a. auch Lokalmatador Stephan Leyhe) Sieger am Mühlenkopf stellte, amtierte zum letzten Mal als DSV-Cheftrainer im Waldecker Upland. Hinter den Kulissen wurde und wird über die Zukunft des mit seiner Familie im Schwarzwald lebenden Österreichers, Sohn Amadeus gehört dem DSV-Nachwuchskader an, Ehefrau Nicole war lange Physiotherapeutin der deutschen Skispringer, diskutiert. Beim DSV gibt man sich noch bedeckt, einige Funktionäre in Polen wollen wissen, dass sich Horngacher selbst bereits entschieden habe. Es scheint so, als ob er als Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes auch wieder zurück an die 100 Jahre alte Mühlenkopfschanze kommen wird.