| Die Skisprung-Trainer (9) |
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Von Maos fliegenden Erben ins Waldecker Upland Heinz Koch beobachtet die neue deutsche Skisprung-Szene unter Bundestrainer Werner Schuster interessiert und aufmerksam aus dem Waldecker Upland. Hier will er sich nicht von dem Weg abbringen lassen, den talentierten Schwalefelder Stephan Leyhe in die Weltspitze zu führen. Der soll in absehbarer Zeit als Lokalmatador beim Weltcup über die Mühlenkopfschanze gehen. Der Österreicher ist als ein großer Trainer-Name, der das Exotische liebt, der Garant für derartige Aufgaben. Rückblende. Vierschanzentournee 2004 in Garmisch-Partenkirchen. Der Chinese Zhandong Tian hat einen gelben Drachen auf seinem Helm kleben. "Ein Glückszeichen", ließ der Skispringer den Dolmetscher übersetzten, "ich habe es gewählt, weil es ein fliegender Drache ist." Nach einem langen Flug von Harbin in der Mandschurei, wo man inzwischen WM- und Olympia-Pläne hegt, bis in die Bergwelt der Alpen. Kosmischer Beistand kann kaum schaden, wenn man als Chinese, weder des Hochdeutschen, Bayerischen noch Tirolerischen mächtig, in Stams nahe Innsbruck wohnt und mit Brettern an den Füßen von gigantischen Schanzen springt. Ein Zeitvertreib, der den Chinesen exotisch vorkommen musste: Von ihren 1,3 Milliarden Landsleuten sind nur 25 Skispringer, was aber nicht ewig so bleiben muss, wie Trainer Heinz Koch noch heute glaubt: "Die Chinesen sind prädestiniert für diesen Sport." Zhandong Tian und Yang Li, damals beide 20, gaben in Garmisch-Partenkirchen ihr Weltcup-Debüt und das Medieninteresse war nur unwesentlich geringer als beim ersten bemannten Raumflug der Chinesen. Bis spät in den Abend erzählte Heinz Koch, zuvor bis 1995 Cheftrainer der Österreicher, dann Sprungdirektor der Franzosen, immer wieder, welche außerordentlichen Talente er da betreute. Nur eine einzige Sprungschanze gab es in ganz China, im Nordosten nahe der russischen Grenze. Nie hatten Kochs insgesamt fünf Athleten Kunstschnee oder Matten gesehen, bis sie im Juli zum Skistützpunkt Stams in Tirol kamen - später übrigens, als geplant, weil sie wegen der in China grassierenden Lungenkrankheit Sars zunächst nicht ausreisen durften. Dort hatten sich Zhandong Tian und Yang Li, als frühere Turner mit erheblichem Bewegungstalent begabt, nach 500 Mattensprüngen im Sommer und den erforderlichen Resultaten im europäischen Continentalcup, rechtzeitig zum zweiten Springen für die Vierschanzentournee qualifiziert. Zu Freude des chinesischen Volkes, aber auch einer Computerfirma, die diese Skisprungambitionen in China finanzierten, gemeinsam mit einer Wiener Kommunikationsagentur, die für zehn Jahre die Vermarktungsrechte vom chinesischen Skiverband erwarb. Koch war und ist überzeugt, dass über den Skisport noch mehr Firmen den Weg nach China finden könnten. Maos Erben erlebten ein neues Lehrstück des Kapitalismus. Längst war bekannt, dass sich ein weltweites Publikum für Bobfahrer aus Jamaika mehr begeistern kann als für Bobfahrer aus dem Gebirge. Diesen Umstand hatte bereits bei den Olympischen Winterspielen von Nagano 1998 eine Sportartikelfirma genützt, als sie Läufer aus Kenia in die olympische Loipe schickte. 1988 in Calgary kamen mehr Medienverräter zur Pressekonferenz des britischen Skispringers Eddie "the Eagle" Edwards als Parallel zur PK von Italiens Ski-Heros Alberto Tomba. Skispringer, die für einen Computerkonzern fliegen, schienen tatsächlich eine Bahnbrechende Idee. "Das Ganze ist lukrativ - oder könnte es werden", sagt Heinz Koch, der als Trainer auf eigene Rechnung arbeitete, denn der chinesische Skiverband, so hat er festgestellt, bestehe "im Grunde nur auf dem Papier". Zwei Jahren zuvor war die Idee geboren worden, auf Chinas einziger Sprungschanze eine Talentsichtung zu organisieren. Von den 25 Skispringern des Landes konnten neun über die 90-Meter-Anlage hüpfen. Sieben wurden ausgewählt, mit fünfen zog Koch durch die Lande. Für ihn hat die Arbeit mit der normalen Cheftrainertätigkeit nur wenig zu tun: "Das ist eher so, als ob man ein Radrennteam aufbaut." Mit dem Unterschied, dass er in seiner Mannschaft auch noch einen Dolmetscher beschäftigt, der an der Universität Innsbruck lehrt und mit dem er zunächst im Privatunterricht Skisprung-Theorie paukte, damit die Botschaften nicht entstellt bei den Athleten ankamen. Nur wer weiß, was eine "Telemarklandung" ist, kann diese schließlich setzen. Anfangs haben die Kollegen Koch belächelt, der in die Mandschurei aufbrach, um eine Artistentruppe für seinen Luftzirkus zu suchen. In Garmisch hatten Zhandong Tian und Yang Li mit 91 und 95,5 Metern die Plätze 67 und 65 in der Qualifikation belegt, das reichte noch nicht fürs Neujahrsspringen. Auch bei den restlichen Tourneespringen stand der renommierte Österreicher auf dem Turm und winkte seine Springer mit dem Fähnchen zu Tale winken. Ein Fähnchen, das kein gelber Drache ziert - sondern der Schriftzug der Computerfirma. In Willingen braucht Koch keinen Dolmetscher, um Leyhe ganz nach oben zu bringen. Der Trainer und sein Schützling sind wie ein Herz und eine Seele. Das große Ziel verbindet. |















