Bei den Deutschen Meisterschaften der Skispringer und Nordischen Kombinierer am Wochenende hat fast die komplette deutsche Elite ihre Reise nach Thüringen angekündigt. Die Wettkämpfe finden in Steinbach-Hallenberg und Oberhof statt. So ist das olympische Skisprung-Silberquartett Michael Neumayer, Martin Schmitt, Michael Uhrmann und DM-Titelverteidiger Andreas Wank am Start. Auch Stephan Hocke ist dabei. Der Team-Olympiasieger von 2002 braucht dringend gute Ergebnisse, um im Winter auf internationalen Schanzen antreten zu dürfen. Hocke gehört erstmals seit vielen Jahren keinem Kaderkreis des Deutschen Skiverbandes an. Für Willingen startet Stephan Leyhe, auch der Winterberger David Winkler ist dabei.
Gräßler die Favoritin
Auch die Frauen gehen vom Bakken, zum zweiten Mal in Folge gemeinsam mit den Männern: Ulrike Gräßler aus Klingenthal hofft hier auf die Titelverteidigung. Die Goldmedaille streitig machen will ihr u.a. die Junioren-Weltmeisterin von 2004 und 2006, Juliane Seyfarth aus Ruhla, aber auch die beiden Willingerinnen Anna Häfele und Jenna Mohr.
Bodmer bleibt bei alter Bindung
Seit Mitte Mai absolvierte Pascal Bodmer nach der Grundausbildung bei der Bundeswehr unter Bundestrainer Werner Schuster vier Lehrgänge auf deutschen und österreichischen Schanzen, zusätzlich machte er Übungssprünge in Hinterzarten. Wie nicht anders zu erwarten, hatten sich die Techniker des Deutschen Skiverbands vorgenommen, das Bindungssystem zu verbessern und sich an der technischen Neuerung des Schweizers Simon Amann orientiert, der mit seiner revolutionären Bindung Doppel-Olympisasieger in Vancouver geworden war. „Aber das ist nicht wirklich etwas für mich“, gesteht Bodmer. Er sei mit der neuen Bindung nicht zurecht gekommen und habe wieder auf das alte System zurück gegriffen. Er wolle die Weiterentwicklung der Technik abwarten, bevor er es erneut versuche. Im übrigen hält auch kaum einer seiner Mannschaftskameraden an dem neuen System fest.
Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten
Nach den deutschen Meisterschaften geht die Saison für die besten DSV-Adler weiter mit den Sommer Grand Prix-Wettbewerben in Hinterzarten (7. und 8. August), Courchevel (13. August) und Einsiedeln (15. August). Wer auch die weiteren Springen in Polen, Japan und Tschechien mitnimmt und beim Grand Prix-Finale am 3. Oktober in Klingenthal dabei sein wird, hängt von der Form ab. Der Weltcup-Winter beginnt traditionell im finnischen Kuusamo. Dort wurde Bodmer im Vorjahr sensationell Zweiter, bei der Vierschanzen-Tournee war er bester Deutscher: „Ich hoffe, dass ich an meine Leistungen zu Beginn der vorigen Saison anknüpfen und bis Ende durchspringen kann, ohne abzufallen. Kombination: Kircheisen fehlt
In der Nordischen Kombination sind u.a. die Olympia-Bronzemedaillengewinner Tino Edelmann, Johannes Rydzek und Eric Frenzel dabei. Hier gibt es jedoch auch einige Ausfälle: Ronny Ackermann (Dermbach), Sebastian Haseney (Zella-Mehlis) und Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt) fehlen. Ackermann ist nach Aussage von Bundestrainer Hermann Weinbuch noch nicht wieder ins Training eingestiegen. Haseney und Kircheisen fehlen aus beruflichen Gründen, die beiden werden in der kommenden Woche jedoch auf die Schanze zurückkehren. Die Willinger Farben vertritt Max Häfele.
Oberhof ohne Weltcup-Ambitionen im Skispringen
Im Weltcup-Kalender der Springer und Kombinierer taucht der Name Oberhof nicht auf, auch im Sommerkalender - Fehlanzeige. Experten halten die Schanzenanlage und das Umfeld nicht mehr für weltcuptauglich. Doch die Veranstalter der DM glauben nicht, dass die Deutsche Meisterschaft der Springer und Kombinierer mittelfristig der letzte größere Wettbewerb auf der Schanze im Kanzlersgrund sein könnte. Jedenfalls, was die Nordische Kombination betrifft; hier seien die Auflagen nicht so groß, wie beim Spezialspringen. Dass Skisprung-Weltstars wie der viermalige Olympiasieger Simon Ammann wieder den Hang im Kanzlersgrund hinabsegeln, glaubt Landrat Luther nicht. "Wir müssen nicht den Ehrgeiz haben und versuchen, noch mal einen Skisprung-Weltcup nach Oberhof zu holen." Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Willingen seien gesetzt, zudem verfüge Klingenthal über die zurzeit modernste Schanze in Deutschland. Den 1962 eingeweihten großen Bakken konkurrenzfähig zu machen, sei zu aufwendig. Kleinere Trainingsschanzen sind gefragt, das fordert auch Bundestrainer Werner Schuster.