Biathlon-Deutschlandpokal: Jennifer Kiel überrascht als Fünfte im Sprint
Biathlon-Deutschlandpokal: Jennifer Kiel überrascht als Fünfte im Sprint
Im Schnee versunken und vom Winde verweht
OBERWIESENTHAL/WILLINGEN (ni). Erst versank der Saisonauftakt im Schnee, am Tag danach sorgten Wind und Nebel für reichlich "Fahrkarten" am Schießstand. Von den widrigen Bedingungen samt Windlotterie unbeeindruckt, kämpfte sich Jennifer Kiel beim ersten Deutschlandpokal in Oberwiesenthal auf Platz fünf im Sprint der J17 weiblich. Die Biathletin des SC Willingen lieferte damit ihr wertvollstes Ergebnis überhaupt ab.
Schon am Donnerstag angereist, war für die sieben jungen Damen an eine gute Rennvorbereitung nicht zu denken. Starker Schneefall mit Sturmböen erlaubten allenfalls eingeschränktes Lauftraining. Die Gewehre blieben gut eingepackt. Das galt auch für den Samstag, als die Jury schließlich nach einigem Warten auf bessere Bedingungen den Sprint absagte. "Die Bäume hatten so eine Schneelast, das war viel zu gefährlich", erzählte Hessens Landestrainer Roman Böttcher. In der Nacht auf Samstag waren allein auf der Wettkampfstrecke 21 Bäume ungeknickt. Statt des Verfolgungsrennens wurde so am Sonntagmorgen ein Sprint gestartet. Der Wind wechselte von mäßig bis böig, dazu hing der Nebel im Schießstadion. Dort wechselten die Bedingungen von gut beherrschbar bis absolut irregulär. Böttcher: "Heraus kamen größtenteils katastrophale Schieß?ergebnisse. Besonders hart traf es gleich die jüngsten Starter der Klasse J16. "Die haben in ihrem ersten Kleinkaliber-Jahr noch nicht die Erfahrung am Schießstand." Böttchers Schützlinge Annika Fuchs und Maren Müller mussten sich mit sieben bzw. acht Fehlern mit den Plätzen 14 und 17 unter 20 Starterinnen begnügen. Ihr Rückstand nach 6,3 km auf die siegreiche Miriam Gössner (SC Garmisch, 26:00,1/4) betrug 5:19,9 bzw. 6:08,4 Minuten. "Positiv war aber", so Böttcher, "dass sich beide läuferisch im Vergleich zum Nordcup wesentlich verbessert haben und da zu den stärksten sieben zählten." Selbst hatte Jennifer wohl am wenigsten damit gerechnet. "Das war auch für sie eine richtige Überraschung", kommentierte Roman Böttcher den Auftritt von Jennifer Kiel. Nach der verkorksten letzten Saison stand auch der Einstieg in diesen Winter zunächst unter keinem guten Stern. Bis letztes Wochenende noch krank und unter der Woche kaum trainiert, "hat sie eine richtig gute ?Sache abgeliefert". Die 7,7 km der J17 mit den Jahrgängen 88 und 89 bewältigte sie in 31:21,1 Minuten und erlaubte sich dabei nach fehlerfreiem Auftritt im Liegendanschlag zwei schwarze Scheiben im Stehen. Mit 1:28,6 Rückstand auf Susann Bänder (SSV Altenberg, 29:52,5/1) wurde sie sehr gute Fünfte.Zwei Plätze zurück kam Kristin Horch?ler (31:57,5/6) ins Ziel. "Sie hat läuferisch gezeigt, wo es hingeht", erklärte Böttcher mit Blick auf die zweitbeste Nettolaufzeit im 30er-Feld. Die Ottlarerin hatte Pech mit dem Wind. "Liegend hat sie so eine Böe erwischt, dass sie fast ratlos war", sprangen jeweils drei Fehlschüsse heraus. Ihre Zwillingsschwester Karolin lag nach nur einem Fehler unter den Top Ten, musste aber auf der Schlussschleife wegen ihrer Rückenschmerzen aufgeben. Böttcher: "Hier muss jetzt von Spezialisten eine richtige Diagnose her." Zuletzt war Karo auf Hexenschuss behandelt worden. Zufrieden sein durfte Svenja Niemeier (33:13,1) mit Platz 13. Nach vier Fehlern lag die Usselnerin 3:20,6 zurück. "Damit war sie sechstbeste des jüngeren Jahrgangs 89, ein Ergebnis, das sie noch nie erreicht hat", freute sich Böttcher über den Schritt nach vorn, vor allem in der Loipe. Ein Opfer des Windes wurde auch Nadine Horchler (31:35,4/4). Die Juniorin versuchte im Liegendschießen mit Nachstellen am Diopter der Sache Herr zu werden. "Dabei hat sie sich leider rausgerastet", beschrieb ihr Trainer fachmännisch den falschen Dreh. Den drei "Fahrkarten" fügte sie im Stehen dann nur noch eine hinzu und so arbeitete sie sich wieder auf Platz drei unter den sechs Starterinnen vor. Auch bei der Ottlarerin bestätigte sich dabei auf den 7,7 km die Steigerung im Laufen. Gegenüber den deutschen Meisterschaften im Herbst hat Nadine etwa den Abstand auf die Zweitplatzierte Juliane Döll (30:40,9/4) aus Oberhof um über die Hälfte reduziert. Ganz vorn landete die Clausthalerin Stefanie Hillebrand (29:56,8/3).Böttchers Fazit nach einem turbulenten Wochenende: "Wenn die Mädchen jetzt bei regulären Bedingungen ihre normalen Schießleistungen aus dem Training abrufen, dann reden sie ein gewichtiges Wörtchen mit." Die nächste Gelegenheit bietet sich am 7./8. Januar beim Deutschland-Pokal im Schwarzwald. Am Notschrei sind dann wieder Sprint und Verfolgung angesagt.